Serpentinstein

Bei Zöblitz und Ansprung östlich von Marienberg ist in den Gneisen und Glimmerschiefern ein Gestein eingelagert, das sowohl geologisch wie auch kulturgeschichtlich gerade von diesen Fundpunkten weltbekannt ist: der Serpentin oder petrographisch genauer der externer Link Serpentinit. Seit dem 16. Jahrhundert wird er im Kunstgewerbe und in der Architektur als meist dunkelgrüner, gut polierbarer Dekorationsstein benutzt, der auch auf der Drehbank bearbeitet werden kann. Balustraden in der katholischen Hofkirche und in der Semperoper in Dresden sind ebenso aus ihm hergestellt wie goldgefasste Trinkkrüge und Schalen im Grünen Gewölbe

Entstehung
Auch geologisch hat der etwa 50 bis 100 m mächtige, schräg nach Norden eintauchende Serpentinit eine besondere, für Erzgebirgsgesteine einmalige Entstehungsgeschichte. Im Präkambrium erstarrten in den untersten Bereichen der Erdkruste oder unter dieser Kieselsäuren arme, eisenreiche, also vorwiegend aus Olivin und Granat bestehende Gesteine. Tektonische Verformungen der Erdkruste haben lokal im Raum Zöblitz und Ansprung Teile dieser Gesteine in höhere Erdkrustenbereiche empor gepresst und zwischen kristalline Schiefer eingeschoben. Dabei wurde das Gestein lagenweise intensiv geschiefert und bei etwas niedrigeren Temperaturen und Aufnahme von Wasser in Serpetinit umgewandelt. Zahlreiche Klüfte zerlegten den Serpentinit senkrecht zur Schieferung und Bankung. Die kreidezeitlich-tertiäre Abtragung beseitigte die höher gelegenen Teile des etwa 2,5 km langen, schräg gestellten Serpentinlagers. Die Verwitterung ergriff die obersten Bereiche des noch erhaltenen Gesteins, lockerte sie und schuf durch Umwandlung verschiedener Mineralgemengteile des auch schon primär etwas verschiedenfarbigen Serpentinits dessen hellgrüne, graue, gelbliche und rote Farbvarietten. Alle diese Faktoren bestimmen die Möglichkeit für Abbau und Verwendung des Gesteins und seine Kulturgeschichte
englische Zusatzinformationen externer Link 1 und externer Link 2

Die Entstehung in Abbildungen


(1) Magma aus dem Erdmantel (schwarz) wird im Präkambrium in die metamorphe Tiefenzone m der Erdkruste eingequetscht (siehe Sedimentzone der Erdkruste)
(2) das aus dem Erdmantel entstandene Magmagestein wird in die Faltung des Varistischen Gebirges einbezogen, geschiefert und in Serpentinit umgewandelt
(3) nach Abtragung des Faltengebirges wird das Serpentinitlager von der Kreidezeit bis zur Gegenwart von der Erde angeschnitten

Vorkommen
Die besondere geologische Entstehungsgeschichte hat zur Folge, dass Serpentinit nur ziemlich selten zu finden ist. Das Zöblitzer Vorkommen ist eines der bekanntesten in der Welt. Landschaftlich fllt das Serpentinitvorkommen zunächst nicht besonders auf. Seine höchsten Erhebungen liegen noch unterhalb des Niveaus der ehemaligen tertiären Rumpffläche, ordnen sich also den umliegenden Höhenrücken ein oder sogar unter. Trotzdem fällt bei genauer Betrachtung das Serpentinitgebiet schon von weitem auf. Die Widerstandsfähigkeit des Gesteins gegen die Verwitterung und seine Unfruchtbarkeit sind die Ursache dafür, dass sein Vorkommen zwischen Zöblitz und Ansterprung einen lokalen und nur dürftig bewachsenen Höhenrücken bildet. Auch die alten Steinbruchslöcher und Halden des nun länger als 400-jährigen Abbaus sowie der neue große Steinbruch des jetzigen Serpentinwerkes markieren die Verbreitung des Serpentinits nördlich der Straße zwischen Zöblitz und Ansprung. Wer diese Straße benutzt, lernt in der weiteren Umgebung noch zwei sehr verschiedene Landschaftstypen kennen: westlich, Richtung Marienberg, das tief im Gneise eingeschnittene, steilwandige Tal der Schwarzen Pockau, dessen Sohle die Straße nach steiler Abfahrt an der "Kniebreche erreicht; westlich vom Ort Ansprung dagegen die weite, landschaftlich von leicht abtragbaren Sedimenten des Rotliegenden verursachte Talniederung der Flöha bei Olbernhau.

Abbau

Verwendung
Der größte Teil des Serpentinits ist aufgrund der Schieferung und Klüftung kleinstückig. Dieses Material wird seit etwa 1910 zu dunkler Terrazzokörnung verarbeitet. Weniger als zehn Prozent der Gesamtmasse sind Blöcke, aus denen kunstgewerbliche Gegenstände hergestellt werden. Auch als Bildhauerstein und zur Restaurierung historischer Bauten wurde Serpentinit in jüngster Zeit verwendet.
z.B. externer Link Landgericht Braunschweig

Chronik der Serpentin- und Marmorwerke Gebrüder Uhlig

Serpentinsteinfarn, FFH-Gebiet Serpentinsteinhalden

Weiterführende Informationen
Weitere interessante Informationen erhalten Sie in unserem Serpentin- und Heimatmuseum in Zöblitz oder in der Heimatstube und Schmiede in Ansprung. Dort erfahren Sie auch mehr über die Stadtgeschichte und Sie können die historischen Maschinen zur Verarbeitung des Serpentins möglicherweise auch in Aktion erleben.
Sehen Sie auch Zöblitz in der Literatur, externer Link Wikipedia externer Link Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden externer Link Titelseite Werbeprospekt externer Link Britische Besuche 2006 externer Link geologische Karte und externer Link Erläuterungen externer Link Schichtsilikate